Wilder Wassersport mit Helmpflicht 
Ungewöhnlicher Sport führt häufig zu Fragen / Aggressionen rauslassen beim Zweikampf


Bei einem Turnier im Sommerbad im letzten Jahr trugen diese beiden „Polos“ einen Zweikampf aus. Foto: privat

Von Jan-Christoph Prüfer

Minden (jcp). Skateboarding, BMX oder Parcours sind zwar ungewöhnliche Sportarten, durch ausreichende bis überbordende Medienpräsenz aber der Allgemeinheit oft ein Begriff.

Anders sieht es bei vielen mit Kanupolo aus. Ein Kanu schwimmt auf dem Wasser, Polo hat man schon mal bei James Bond gesehen. Da hatte es irgendwas mit Pferden zu tun. Und wie kommen die beiden Sportarten zusammen?

In Minden können Neugierige die Kombination aus Wasser- und Feldsport seit 2000 trainieren. „Damals hat Ulrich Baganski, der zweite Vorsitzende des Kanu-Clubs Minden, mich und ein paar andere gefragt, ob wir Interesse an dem Sport hätten”, erklärt Daniel Hintze. Der 21-Jährige ist Mitglied des Kanupolo-Teams der ersten Stunde. Heute trainiert er die Schülergruppe und spielt selbst aktiv bei den Herren. „Viele der Spieler waren vorher bereits im Kanuclub”, erzählt Hintze weiter.

„Wanderpaddeln, also einfach mit den Booten zum Beispiel von Porta bis Minden schippern, ist gerade den Jüngeren oft zu langweilig. Beim Kanupolo gibt es mehr Action.”

Regelrecht aggressiv findet Lukas (17) das Spiel. Für ihn sei es deshalb genau das Richtige: „Man kann schon ganz gut Dampf dabei ablassen. Vor allem im Zweikampf.” Weshalb die Spieler neben einer Schwimmweste auch einen Helm tragen, der der Schutzausrüstung aus dem Brutalo-Sport Eishockey verdächtig ähnlich sieht.

Strenge Regeln grenzen die Gefahr beim Kanupolo aber erheblich ein. Es gibt zwei Tore, der Ball darf mit Händen oder dem Paddel gespielt werden. Zwar dürfen in Ballbesitz befindliche gegnerische Spieler an der Schulter geschubst und zum Kentern gebracht werden. Ausdrücklich verboten sind aber alle Aktionen, die den anderen verletzen könnten. Eine Vorgabe, deren Einhaltung von zwei Schiedsrichtern überwacht wird. Für Dorian (19) ist eher das Exotische am Kanupolo wichtig. „Das macht und kennt halt nicht jeder. Wenn man sagt, man spiele Kanupolo, kommen meist neugierige und ehrlich interessierte Fragen.”

Das macht nicht jeder. Auch für Simon und Adrian (beide 12) ist das ein wichtiges Argument. Die Spieler der Schülermannschaft kamen beide aus den klassischen Teamsportarten Fußball und Handball zum Kanupolo.

Auch Turniere besuchen die „Polos”, wie sie sich selbst nennen. „Aber momentan noch kleine Sachen, mehr oder wenige reine Spaßturniere und meistens in Nordrhein-Westfalen”, sagt Malte Böke (21), der Teamwart. „Letztes Jahr war zum Beispiel eins im Sommerbad.”

Die Polos treffen sich zu dieser Jahreszeit immer Freitag um 18 Uhr im Melittabad. An einem Probetraining kann jeder teilnehmen, der Lust hat, Jungen und Mädchen. Allerdings trainieren zunächst immer die Schüler (bis 14 Jahre), dann die Jugendmannschaft (14 bis 16 Jahre) und zuletzt die Herren (ab 17 Jahre). Mehr Infos gibt es im Internet unter www. polocoma.de.vu.

Copyright: Mindener Tageblatt/ MT-Online, Bericht erschienen am 17.02.2007
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